Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V.
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DLRG-Herbst-Familienwanderung durch das Süntel-Lengeberg-Tal von Unsen über Welliehausen und Pötzer Landwehr zum Süntelbad Haddessen: „Exkursion“ vom alten Freibad in Unsen zum Gelbbauchunkenbiotop und weiter zur Biogasanlage Pötzer Landwehr.

Auch in diesem Jahr stand die DLRG-Herbst-Familienwanderung der DLRG-Ortsgruppe Haddessen unter einem guten Stern: 3 Besichtigungspunkte und eine tolle Wettervorhersage. Nicht anstrengendes endloses Wandern war angesagt, sondern eine interessante Wegstrecke mit mehreren Besichtigungspunkten. So kamen auch 17 Erwachsene und 12 Kinder in Unsen am alten Freibad zusammen, um gemeinsam den Sonntag zu verbringen. Sie wurden vom Orga -Team Herbert, Martina, Jürgen, Karoline und Herm empfangen.

Nach den bekannten Grußworten erfuhren wir vieles von Friedrich-Wilhelm Borcherding, der seit seiner Geburt in Unsen lebt und so ein profunder Kenner des Ortes und seiner Geschichte ist. So konnten wir folgendes erfahren: Unsen ist schon vor 800 Jahren erstmalig in Chroniken als Unenhusen genannt worden und wurde 1334 und 1554 urkundlich in den Schriften des Kloster Fischbeck erwähnt. Später wurde daraus Unsen und der Ort kam zum Amt Springe, dann zur Stadt Hameln. Heute hat Unsen 450 Einwohner, noch 2 Landwirte, einen Fußballplatz, einen Tennisplatz Hotel mit Biergarten, 1 Arztpraxis, das Hamburger Landschulheim; das 1955 erbaut wurde und ein neues Freibad, das 1973/74 das alte Freibad ablöste.

Dieses alte Freibad konnten wir besichtigen und die alten Holzgebäude hatten nichts von Ihrem Charme verloren. Heute dient das Freibad als Feuerlöschteich und das Gelände und die Gebäude werden von den örtlichen Vereinen genutzt. Das Freibad wurde 1930 eingeweiht, bestand aus einer Lehmkuhle mit Wasserzulauf aus einer Waldquelle. 1933 wurden Mauern eingezogen und 1935 ein 1 Meter und 3 Meter Sprungturm aus Holzbalken errichtetz. Im Lauf der Jahre wurde ein Schwimmverein und eine DLRG-Ortsgruppe Unsen gegründet. Das Holzgebäude, früher Umkleide, Aufsicht und Kioskraum und das legendäre Plumpsklo sind noch Zeitzeuge aus aktiven Zeiten.

Nach Umtrunk und Startersweets startete die muntere Wandergruppe zur Wanderung entlang des Süntels nach Welliehausen und weiter zum ehemaligen Standortübungsplatz, dem heutigen Biotop der Gelbbauchunke. Hier empfing uns Herr Lefers vom Landkreis Hameln-Pyrmont, Untere Naturschutzbehörde und erklärte uns, das seit dem Abzug der britischen Truppen aus Hameln im Jahre 2014 diese Fläche von 27 ha zum Naturschutzgebiet umgestaltet wird, um hier die Gelbbauchunke, ein Pionier unter den Lebewesen, dauerhaft ansiedeln zu können. Waren es im Jahre 1990 noch 10 gezählte Tiere dieser Unken Art sind es heute bereits 80 gezählte Tiere dieser Art. Ein Tier, das auch Wochen ohne Regen in ausgehobenen 'Blenken' (Vertiefungen) überleben kann. Das Tier ernährt sich von Wasserflöhen und in der Zukunft soll die gesamte Fläche eingezäunt und beweidet werden.

Dabei hat diese Fläche eine wechselhafte Geschichte in den letzten 80 Jahren erfahren: Mitte der dreißiger Jahre wurde durch den Reichsarbeitsdienst Wald gerodet und die Flächen für landwirtschaftliche Nutzung urbar gemacht. Die damaligen 'Brit. Besatzungsmacht' hat nach dem 2.Weltkrieg die27 ha beschlagnahmt und das Gelände wurde nacheinander genutzt als Schießplatz, Segelflugplatz, Flugzeuglandebahn, Fahrschulgelände, Hubschrauberübungsplatz, Standortübungsplatz der brit. Pioniere. In Zukunft soll die Natur das Gelände wieder erobern, allerdings vom Menschen gesteuert.

Nach dieser Fülle neuer Informationen wanderte die Gruppe weiter bis zur Pötzer Landwehr, wo wir uns bei dem Landwirt Kaiser zur Besichtigung seiner Biogasanlage angemeldet hatten und wir uns erst einmal in einer schattigen offenen Halle ausruhen und bei einer Teepause erholen konnten. Lother und Henning Kaiser erklärten den Werdegang des Betriebes:
Dieser Renzel-Hof früher im Ort Pötzen und wurde 1958 ausgesiedelt. Landwirt Renzel bewirtschaftete den Hof hier von 1958 bis 1982 und seit 1983 führt Familie Kaiser den Betrieb. Anfänglich als Schweinemastbetrieb, dann ab 1989 als ökologischer Landbaubetrieb. Da aber ca. 50 % der Erzeugnisse nicht den Qualitätsansprüchen der abnehmenden Firmen entsprach, musste dieser Rest vernichtet werden. Darum entschloss sich Familie Kaiser im Jahre 2011 dazu, in einer Biogasanlage u.a. diese Erzeugnisse noch zu verwerten. Am 5.Dez 2011 wurde die Biogasanlage eingeweiht und immer wieder erweitert, sodass heute 350000 KWH pro Monat erzeugt werden und Abwärme zur Heizung des Betriebes und zur Trocknung von Getreide genutzt werden kann.

Welch ein Wandel in der Landwirtschaft in den letzten 60 Jahren am Beispiel dieses Hofes. Während des anschließenden Rundganges für alle Interessierten und Blick hinter die Kulissen, konnten die Kinder einen Fahrrad- und Roller Parcours absolvieren. Doch die Zeit war soweit voran geschritten, dass doch alsbald der weitere Wanderweg zum Süntelbad Haddessen angetreten werden musste. Auch diesen Weg durch Pötzen schafften alle trotz 25 Grad C. im Schatten.

Am Ziel am DLRG-Heim im Süntelbad Haddessen warteten Gegrilltes und Salate und Kuchen und erfrischende Getränke auf die müden, aber zufriedenen Wanderer. Groß und Klein konnten sich mit bereit gestellten Spielgeräten noch weiter austoben. Ein Stationslauf mit 6 Stationen sorgte nach der Erholung noch einmal für Spaß und Spannung und nach der obligatorischen Siegerehrung mit kleinen Preisen sah alles nach Aufbruch aus.

Ein herrlicher Tag endete mit Informationen über die nächsten Veranstaltungen der DLRG-Ortsgruppe Haddessen. DLRG-Familien mit Blick auf das nächste Jahr waren sich alle einig: Wir treffen uns spätestens wieder bei der DLRG-Herbst-Familienwanderung am 24.September 2017. Dank an alle aus dem Organisationsteam und Helfer vor und hinter den Kulissen und an alle, die uns auf der Wanderung mit so viel neuen Informationen und historischem Wissen uns gezeigt haben, wie stark alles einem Wandel unterworfen ist.
Herm Henkel, 1.Vors
DLRG-Ortsgruppe Haddessen e.V.