Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V.
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60 JAHR-FEIER SÜNTELBAD HADDESSEN

Das Süntelbad - Die Geschichte von Bad und Bürgern


Als des Süntelbad Haddessen 1982 nach 3jähriger Bauzeit feierlich wieder in Betrieb genommen wurde, gelang es eine Festschrift herauszugeben. Der Titel:
Das Süntelbad - Die Geschichte von Bad und Bürgern
Auch 17 Jahre nach der Wiedereröffnung und 60 Jahre nach der ersten Inbetriebnahme im Jahre 1939 steht und fällt das Süntelbad mit dem Engagement der Bürger.Bereits am 6.Dezember 1995 hat sich der Rat der Stadt Hess.- Oldendorf für ein neues Freibad in der Kernstadt Hess.- Oldendorfs und für eine Überführung des Süntelbades in eine andere Trägerschaft entschieden.
Nach nun mehr als 3 Jahre des Hoffens und Verhandels hat die Stadt Hess.- Oldendorf das Süntelbad an den Trägerverein verpachtet und damit eine neue Ära eingeleitet.
Aber wieder sind die Bürger der Sünteldörfer, die sich für ihr Süntelbad einsetzen und dafür sorgen ,daß diese soziale Einrichtung erhalten und ausgebaut wird.
Hoffen wir,daß alle Mitglieder in Rat und Verwaltung darüber wirklich erfreut sind,daß das Süntelbad weiter seine Pforten öffnet, zum Wohle der Kinder und Jugendlichen.
An diesem Tag sollten wir uns daran erinnern, daß allein seit 1974 über 500.000 DM in das Süntelbad investiert worden sind, über 20.000 Stunden Eigenleistung der Bewohner der umliegenden Dörfer erbracht worden sind und die DLRG- Ortsgruppe Haddessen in den fast 31 Jahren ihrens Bestehends sich um den Betrieb des Freibades und der Anlagen in einer Zusammenarbeit mit der Stadt Hess.- Oldendorf gekümmert hat und dadurch allein im Lohnbereich 1 Mio. DM in 30 Jahren gespart hat.
Auch in Zukunft wird die DLRG- Ortsgruppe Haddessen unter der neuen Regie des Trägervereins die bisher übernommenen Aufgaben verantwortlich fortsetzen, zum Wohle von Bad und Bürgern.

Haddessen, den 16. Mai 1999

Herm Henkel

(1. Vorsitzener der DLRG- Ortsverein Haddessen und Mitglied im Vorstand des Trägervereins Süntelbad Haddessen)

Die "Haddesser Badeanstalt" von 1937 bis 1963

(nach einer Niederschrift des ehemaligen Lehrers G. Hake)

Die Anregung zum Bau der Badeanstalt kam aus Arbeitskreisen des oberen Dorfes (Haddessen) im Jahre 1937. Bereits Jahre vorher hatten die gleichen Kreise versucht, auf dem sogenannten "Erdbeerbrink" einen Sportplatz zu schaffen. Wenn auch das hügelige Gelände ungeheure Bodenbewegungen erfordert hätte, so scheute man die Arbeit nicht, um nur einen Platz zu bekommen, wo es möglich war, während des ganzen Sommers Sport zu betreiben. Das Projekt scheiterte an der Haltung der Gemeindevertretung. Sollte der Badeanstalt ein ähnliches Schicksal beschieden sein?

Nach eingehender Prüfung und Betrachtung der Wasserverhältnisse wurde das Wehrhahnsche Grundstück im ersten Grunde nach Pötzen inīs Auge gefasst. Das Grundstück erschien deshalb sehr geeignet, weil es einmal sehr geschützt lag, zum anderen die Speisung der Badeanstalt durch die aus Bartlings Wiese kommenden Quellen erfolgen konnte, die einen hohen Schwefelgehalt haben. Eine Besichtigung des Grundstücks durch den Besitzer, August Wehrhahn, Haddessen Nr. 19, und den Lehrer Wittmeyer erbrachte eine rasche Einigung dahingehend, dass das jetzige Gelände entweder pachtweise oder käuflich der Gemeinde überlassen werden sollte.

Eine Gemeindeversammlung, die einberufen war, um die Stimmung der Einwohnerschaft zu diesem Projekt kennen zu lernen, brachte folgende Situation: die Gemeinde ist in Anbetracht ihrer finanziellen Lage zu irgendwelcher geldlicher Unterstützung nicht in der Lage. Sie erklärt sich aber bereit, die Grundstücksfrage zu regeln. Die Bodenbewegungsarbeiten sollen in freiwilligem Arbeitsdienst aller männlicher Einwohner bewältigt werden. Die zur Beschaffung der Baumaterialien notwendigen Gelder sollen durch Beihilfen vom Kreis und von der Regierung aufgebracht werden. Der gesamte Kostenaufwand unter Einbeziehung der Hand- und Spanndienste belief sich auf RM 5.000. Die zum Bau der umfassenden Betonmauern unbedingt notwendigen Baumaterialien stellen sich auf RM 1.200. Dieser Betrag wurde wie folgt aufgebracht:

Beihilfen des Kreises RM 400,00
Beihilfen der Regierung, Schulabteilung RM 200,00
Beihilfen der Regierung, Abtlg. Jugendpflege RM 400,00
Summe RM 1.000,00


Bei zwei Elternabenden wurden RM 150 Überschuss eingenommen und der Badeanstaltsklasse zur Verfügung gestellt. Im Sommer des Jahres 1938 bewilligte der Bezirksturnrat noch weitere 400 RM. Im Frühjahr 1938, Ende April, siedelte Herr Lehrer Wittmeyer in die neuerstandene Schule des Gesamtschulverbandes Haddessen nach Höfingen über.

Sein Nachfolger, der Lehrer Gustav Hake, geb. am 4. Juni 1905 in Fuhlen, trat an der verwaisten Stelle in Haddessen seine Lehrtätigkeit an. Sein reges sportliches Interesse und sein aktives sportliches Können kamen dem Vorhaben (Badeanstalt) sehr entgegen. Als Träger des Sportabzeichens in Bronze und Silber sowie als Inhaber des Grundscheines der DLRG und der am Hochschulinstitut für Leibesübungen in Göttingen erworbenen Bescheinigung als Schwimmlehrer hatte Lehrer Hake beste Voraussetzungen.

Die Arbeiten an der Badeanstalt gingen trotz gelegentlicher Unterbrechungen tatkräftig weiter. An den freien Sonnabendnachmittagen und Sonntagmorgens fand sich immer wieder eine stattliche Schar unentwegter, von Idealismus getragener Dorfbewohner ein, um im tatkräftigen Einsatz das begonnene Werk zu vollenden. Besonderer Dank und Anerkennung gebührt den beiden nimmermüden Fachkräften, Herrn Wilhelm Lampe aus Haddessen und Herrn Heinrich Röbbeke aus Pötzen, die dann, nachdem die Rohbauarbeiten beendet waren, das Putzen der Wände und des Bodens übernahmen.

Dank ihres Einsatzes konnte das Becken erstmalig 1939 in Betrieb genommen werden. Wenn auch die Herrichtung des um das Becken liegenden Platzes noch viel Mühe und Sorgen brachte, zumal das Gelände mit Boden angefüllt werden musste und keine Umkleideräume vorhanden waren. Wenn auch zunächst ein einfacher Bretterverschlag als Umkleideraum aushelfen musste, so war doch die Arbeit ein gut Stück vorangetragen und die Jugend durfte sich im kühlen Nass tummeln.

Die im Verlauf des Krieges und nach dem Zusammenbruch immer mehr verfallene Badeanstalt musste im Jahre 1951 eingehend überholt werden. Die infolge Frost gerissenen Wände und der defekte Beckenboden mussten durch die Aufbringung neuer Betonwände und eines zusätzlichen Bodens verstärkt werden. Verhandlungen mit dem zuständigen Kreisjugendpfleger, Herrn Clavey, der mit dem Jugenddezernenten bei der Regierung Hannover, Herrn Fromm, das Bad besichtigte, ergaben, dass der Gemeinde Haddessen seitens des Kreises und der Regierung zusätzlich Mittel aus dem Etat für Jugendertüchtigung in Aussicht gestellt wurden. Die Gemeinde griff dieses Anerbieten sofort auf und beauftragte die örtliche Baufirma Wilhelm Engelke mit der Durchführung der Arbeiten.

Bei der Erneuerung der Wände wurden die beiden seitlichen und die untere Ausstiegstreppe aus dem Becken entfernt, weil sie sich als nachteilig erwiesen hatten. Eiserne Einstiegstreppen sollen an ihre Stelle treten. Das Gelände vor dem Becken, das einmal als Spiel- und Ruheplatz für die Badenden und Schulkinder gedacht war, wurde auch freigestellt. Der bei der Errichtung von Grünfuttersilos bei den bäuerlichen Betrieben freiwerdenden Boden wurde zur Auffüllung der Bodensenkung verwendet. Die anfallenden Bodenmengen wurden von den beiden Gemeindearbeitern, Herrn Kölle und Herrn Neugebauer, mit Unterstutzung der Jungen aus der Oberstufe der Haddesser Schule unter Leitung ihres Lehrers eingeebnet und planiert. Eine zusätzlich aufgebrachte Schicht Mutterboden schuf die Voraussetzungen für eine gute Grasnarbe. Im weiteren Verlauf der Renovierungsmaßnahmen konnte dann auch eine Umkleidebaracke aus Holz auf Betonsockel errichtet werden. Das benötigte Bauholz stellte Herr Karl Beißner, Haddesser Nr. 18, gegen geringes Entgelt zur Verfügung. So entstanden drei Einzelkabinen zum Umkleiden für Erwachsene und zwei größere Räume für Jungen und Mädchen der Schulen. Die Baracke, die mit einem grünen Ölfarbenanstrich versehen wurde, fügte sich harmonisch in das Gelände ein. An der Nordweststrecke des Grundstückes entstand dann die so dringend benötigte Toilette. An dem nun überbrückten Beckenüberlauf errichtete man den Sockel für das Ein-Meter-Sprungbrett.

Das Bad erfreute sich nun eines regen Zuspruchs, doch bereitete leider die Frage der Aufsicht wie des Bademeisters der Gemeinde erhebliche Sorge. Die Aufsicht wurde zum Teil von freiwilligen Kräften ausgeübt, wobei auch Lehrer Hake einen beträchtlichen Teil seiner Freizeit opferte. Später übernahm Herr Peukert, der gleichzeitig das Amt des Gemeindedieners ausübte, die Aufsicht.

In den Jahren 1959/60 wurde eine neue moderne Holzbaracke mit vier Umkleidekabinen für Männer und acht Umkleidekabinen für Damen errichtet. Die Baracke verfügte über weitere Räume für den Bademeister und eine Kleiderablage. Um das Becken wurde ein Plattenweg angelegt. Die Aufsicht über den Badebetrieb übernahm Frau G. Meier aus Pötzen, die als ausgebildete Rettungsschwimmerin auch Schwimmunterricht erteilte.

Die Gemeinden Haddessen, Pötzen und Höfingen hatten sich inzwischen zu einem Zweckverband zur Unterhaltung der Badeanstalt zusammengeschlossen, dadurch war die Besetzung mit einem bezahlten Bademeister möglich geworden. Die das Becken speisenden Quellen in der oberhalb der Straße nach Pötzen liegenden Wiesen wurden gemeinsam in einen Brunnen gefasst und durch eine Direktleitung an das Becken angeschlossen.

Im Jahre 1962 hat sich die Gemeinde Bensen nach langem Hin und Her dann doch entschlossen, dem Zweckverband für die Badeanstalt beizutreten. Man konnte die Zurückhaltung der Gemeinden Bensen nicht recht verstehen, zumal die Benser Schulkinder und Jugendlichen recht eifrige Besucher unserer prächtig gelegenen Badeanstalt waren. Groß war deshalb die Freude, dass nun alle Süntelgemeinden an einem Strange zogen. Soweit die detaillierten Aufzeichnungen des Lehrers Hake.

1964 bis 1978 Die "Haddesser Badeanstalt" wird zum "Süntelbad"

Die schon im vorigen Kapitel von Herrn Hake erwähnte Personalfrage führte im Sommer 1964, nachdem Frau Meier aus Pötzen die Badeaufsicht nach einigen Differenzen mit dem Zweckverband nicht mehr führen wollte, zur Schließung des Bades.

Am 23. Juni 1968 wurden die Pforten für den Badebetrieb wieder geöffnet, nachdem Horst Klein, Schwimmmeister, für die Aufsicht gewonnen werden konnte. Die Weichen hierfür stelle Wilhelm Lindenberg, Vorsitzender des Zweckverbandes. er hatte auch mit zahlreichen freiwilligen Helfern von nur vier Wochen das Bad, nach der langen Pause in einem miserablen Zustand war, wieder betriebsbereit gemacht.

Mit der Eröffnung des Bades gab es auch eine Bereicherung im örtlichen Vereinsleben der Sünteldörfer. Am 19. Juli 1968 wurde die DLRG-Ortsgruppe Haddessen gegründet, der zunächst 35 Mitglieder angehörten. Vorsitzender war Erhard Giese, Haddessen, 2. Vorsitzender Herm Henkel, Pötzen und Technischer Leiter Horst Klein. Diese Gründung sollte sich als Glücksfall für das Bad erweisen, war es doch von nun an die DLRG, die stets für das Bad sorgte und schließlich auch die Badeaufsicht stellte.

Die DLRG und freiwillige Helfer, vor allem aus Haddessen, legten im Frühjahr 1969 kräftig Hand an und so konnte das Bad schon am 17. Mai wieder geöffnet werden. Horst Klein führte weiterhin die Aufsicht und trug die Verantwortung, doch wurde er jetzt bei der Aufsicht schon von DLRG-Kameraden unterstützt, die sich mit einem geringen Taschengeld begnügten und so dazu beitrugen, die Kosten für den Zweckverband gering zu halten.

Schon jetzt wurden Pläne geschmiedet, die vorsahen, Dieses Vorhaben war für die vier am Verband beteiligten Gemeinden jedoch finanziell nicht ohne weiteres tragbar. Außerdem konkretisierte sich seinerzeit schon die Verwaltungsform, die 1970 zur Bildung der "Samtgemeinde Süntel" mit den Mitgliedsgemeinden Fischbeck, Weibeck, Pensen, Haddessen, Höfingen und Pötzen führte. Dieser freiwillige Zusammenschluss war aber aufgrund der vom Land vorgegebenen Zielvorstellungen bedroht. Die Zahl von knapp 4300 Einwohnern war zu gering, die neuen Großgemeinden sollten etwa 5000 bis 6000 Einwohner haben. Diese Unsicherheiten führten dazu, dass die Samtgemeinde Süntel es bei der Bekundung ihrer Absichten zu Badsanierung und -erweiterung beließ, jedoch nicht zur Tat schritt. Noch im Mai 1971 hatte der Samtgemeinderat einstimmig beschlossen, das Süntelbad nach Auflösung des Zweckverbandes zu übernehmen und stellte zur Eröffnung der Badsaison einen Zuschuss von 1000 Mark zur Verfügung. Wie bekannt, währte die Samtgemeinde Süntel nicht lange:

Am 1. Januar 1973 wurde aus den Mitgliedsgemeinden zunächst die Einheitsgemeinde Fischbeck gegründet und diese ging dann schon am 29. Januar 1973 in der Stadt Hess. - Oldendorf auf. Als Mitgift des Samtgemeinde wurden 30.000 Mark zweckgebunden für die Renovierung des Süntelbades in den Haushalt der Stadt mitgebracht. 1974 bewilligte der Stadtrat 80.000 Mark für die Badsanierung, wovon zunächst das bisher angepachtete Badgrundstück und ein weiterer Geländestreifen zur Baderweiterung angekauft wurde. Um die ständigen Wasserverluste des mittlerweile undicht gewordenen Beckens einzudämmen, wurde es mit einer Kunststoffschicht versehen.

Die Badeaufsicht lag nun ganz in den Händen der DLRG Ortsgruppe, die entsprechend ausgebildete Mitglieder in der Saison stellte, die für ein Taschengeld bereit waren, den Badebetrieb sicherzustellen. Wie schon zu Zeiten von Horst Klein, der vier Jahre lang nicht nur die Aufsicht geführt, sondern auch Lehrgänge für Nichtschwimmer sowie DLRG Grund- und Leistungsscheine durchgeführt hatte, ging auch die Ausbildung der Nichtschwimmer u Schwimmern und die Abnahme "höherer schwimmerischer Weihen" weiter.

1974/75 wurden bereits zahlreiche Eigenleistungen im Vorgriff auf die Badsanierung erbracht. Wilhelm Lindenberg, dessen Zweckverband mit der Bildung des "Großstadt" zwar aufgelöst worden war, fühlte sich dennoch weiterhin dem Bad ganz besonders verpflichtet und organisierte die Eigenleistungen, wobei er in der DLRG-Ortsgruppe und ihrem Vorsitzenden Herm Henkel freudige und tatkräftige Unterstützung fand. Lindenberg wurde 1975 vom Stadtrat dann ganz offiziell als "Badbeauftragter" (ohne Bezüge) eingesetzt. Durch den Grundstücksankauf lag nun der bisher an der Grundstücksgrenze verlaufende Graben plötzlich mitten im Grundstück. Er wurde verrohrt und angefüllt, das ganze Grundstück eingezäunt, eine Zuleitung vom Becken zur Wasserleitung angelegt und die hinzugeworbene Flächen eingesät.

Der als erste Ausbaustufe geplante Bau eines Gebäudes für Duschen und Toiletten verzögerte sich jedoch und in der Saison 1975 musste man noch mit dem alten Zustand vorlieb nehmen. Mit dem Bau wurde im Herbst begonnen und zur Saison 1976 konnten die Duschen und Toiletten benutzt werden. Mittlerweile war auch die Holzbaracke mit den Umkleidekabinen, die zuvor am Beckenrand gestanden hatte, um etwa 25 Meter an die nordwestliche Grundstücksgrenze versetzt worden. Auch dies wieder in Eigenleistung, wobei die Maschinen von der Firma Auge in Fischbeck gestellt wurden.

Mit Bauschutt und Bodenaushub war die "Grund" südwestlich des Beckens aufgefüllt worden und wurde 1977 von den britischen Pionieren aus Hameln einplaniert. Damit waren die Voraussetzungen für die Einrichtung eines Jugend-Gruppenzeltplatzes gegeben. Auch der Bau einer Grillhütte auf diesem Teil des Geländes wurde ins Auge gefasst, blieb aber bis heute noch Wunschtraum. Dafür wird der Zeltplatz nun regelmäßig für das jährliche Schülerwochenendzeltlager genutzt und auch auswärtige Gruppen haben dort schon ihre Zelte aufgeschlagen, wobei die sanitären Einrichtungen des Bades mitbenutzt werden.

Nicht nur Mühe und Arbeit brachte das Bad mit sich, dort wurde auch kräftig gefeiert. Dreimal, am 24. August 1975, 15. August 1976 und 28. August 1977 fanden hier die "Süntelspiele" statt. Unter der Schirmherrschaft des Ortsrates kämpften gemischte Mannschaften aus den vier Süntelortsteilen um einen von Bürgermeister Grünwaldt gestifteten Pokal. Bei lustigen Wettspielen nach dem Muster des "Spiels ohne Grenzen" zeigten sich die Haddesser alle drei Mal ihren Konkurrenten aus Bensen, Höfingen und Pötzen überlegen und konnten den Pokal so endgültig in ihren Besitz bringen. Im Juli 1978 feierte die DLRG-Ortsgruppe im Süntelbad an zwei Tagen, begünstigt vom Wettergott, in ganz großem Kreise ihr zehnjähriges Bestehen. Der Ortsrat hatte sich seit 1974 immer wieder bemüht, durch Anträge und Empfehlungen zum Süntelbad für eine baldige Sanierung, vor allem für eine Bereitstellung entsprechender Haushaltsmittel zu sorgen. Das führte 1978 zur Ausweisung von 200.000 Mark für die Badsanierung im Haushaltsplan der Stadt. Leider muss in diesem Zusammenhang gesagt werden, dass das Süntelbad bei der Stadtverwaltung, hier dem Stadtdirektor (von dem der Ausspruch verbürgt ist "Es ist schade um jede rostige Mark, die noch in das Bad gesteckt wird!"), nicht gerade beliebt war. So lässt es sich auch erklären, dass trotz der Mittelbereitstellung nichts geschah. Dem Bauamt der Stadt war der Auftrag, die Planung zu erstellen, angeblich nicht erteilt worden und als es dann soweit war, türmten sich immer wieder neue Hindernisse auf. Sollte sich aber jemand die stille Hoffnung gemacht haben, auf diese Art das Thema Bad bald ganz zu den Akten legen zu können, hatte er sich verrechnet: die DLRG mit Herm Henkel an der Spitze, Wilhelm Lindenberg und der Ortsrat, ganz besonders aber die Einwohner der Sünteldörfer ließen nicht locker. Hierüber aber im nächsten Kapitel etwas mehr.

Sanierung des Süntelbades 1979 - 1982

Eine von der DLRG-Ortsgruppe Haddessen unter ihrem Vorsitzenden Herm Henkel aus Pötzen veranstaltete Podiumsdiskussion führte am 31. Mai 1979 zur Gründung einer "Interessengemeinschaft Süntelbad (IGS) Haddessen". In einer unmittelbar anschließenden Unterschriftenaktion forderten über 500 Bürger der Sünteldörfer den Erhalt und Ausbau und die Wiedereröffnung des Süntelbades. Einen Monat später kam es zum ersten Gespräch zwischen der Sprechergruppe der IGS-Haddessen und der Stadtverwaltung und dem Rat der Stadt Hess. - Oldendorf. Das Ergebnis sollte das drohende Ende des Bestehens des Bades abwenden.

Es wurde vom Rat beschlossen: Dieses war u. a. nur mit intensiver Unterstützung der Abgeordneten Fritz Knoche, Haddessen, Fritz Holstein, Bensen und Heinrich Beißner, Pötzen zustande gekommen. Auch der Ortsrat unter der Leitung von Heinz Beißner setzte sich permanent für das Süntelbad ein. Doch die Beratungen verzögerten sich. erst am 28. Februar 1980 entschied sich mit knapper Mehrheit der Bauausschuss der Stadt, im Schwimmbecken eine neue Betonwanne zu bauen, eine Umwälzanlage vorzusehen und ein dafür erforderliches Gebäude zu bauen.

Zur Verfügung standen 135.000,- DM. Doch wieder hatten die vielen freiwilligen Helfer, die nun anpacken wollten, Zwangspause: der Rat der Stadt verabschiedete nicht den Haushalt, somit fehlte formal das Geld.

Erst kurz vor den Ferien und der Urlaubszeit, am 16. Juni 1980 erfolgte die Genehmigung. Damit war aber der Zug für 1980 abgefahren, rechneten die aktiven Organisationen doch mit einem Eigenleistungsanteil von mindestens 1.000 Stunden. Das Prinzip war klar: die Stadtkasse sollte das Material bezahlen, die Bewohner der Sünteldörfer wollten die Arbeit leisten. Doch Urlaub und Ferienzeit ließen allseits die Arbeit im Bad ruhen.

Lediglich die alten Gehwegplatten um das Schwimmbad und zum Sanitär- und Umkleidegebäude wurden Ende Mai 1980 aufgenommen und im südlichen Zeltplatzbereich zwischengelagert. Auch konnte Dieter Kotzner aus Bensen als örtlicher Bauleiter gegenüber der Stadtverwaltung benannt werden.

Nach der Sommerpause sollte es nun endlich losgehen. Im September ergriff Wilhelm Lindenberg die Gelegenheit. Aus einer günstigen Kaufmasse werden Waschbetonplatten gekauft, zu einem sehr niedrigen Preis (sollte auch noch mancher Monat bis zum Verlegen vergehen). Doch die Optimisten in den Reihen saßen wieder einmal auf dem Trockenen: seitens des Bauamtes fehlte es im September 1980 an Sanierungsplänen, statischen Berechnungen für die neue Betonwanne.

Die aktiven Gesprächspartner in der Interessengruppe (gewählt am 31. Mai 1979) des Süntelbades Haddessen, die Sprechergruppe, zu der Lisa Scharff, Karl Beißner, Hans Heinrich Kardinal, ernst May, aus Haddessen, Ralf Schult, Peter Hahn, Margit Rinke und Herm Henkel gehörten, versuchten in vielen Gesprächen, die notwendigen Klarstellungen mit der Stadtverwaltung herbeizuführen.

Am 10. Oktober 1980 wurde von der Stadtverwaltung Hess. - Oldendorf, Bauamt, ein Lokaltermin im Süntelbad anberaumt. An ihm nahmen teil Statiker, Bauverwaltung, Vertreter der IGS Haddessen und Baubeauftragter für das Süntelbad Haddessen, Wilhelm Lindenberg.

Endlich wurden Nägel mit Köpfen gemacht, ein Statikplan erstellt von der Firma Schierschke, Afferde. Die Zeit bis zur Fertigstellung der Statik wurde zu Drainagearbeiten genutzt, die mit Hilfe der Firma Auge, Fischbeck, ausgeführt wurden. Die Drainage liegt nun an den Beckenlängsseiten unter der alten Betonsohle des Schwimmbeckens, um das drückende Hangwasser und Quellwasser abzufangen.

Der nahende Winter ließ die Bauverantwortlichen den weisen Entschluss fassen, zuerst das Gebäude für die Umwälzanlage zu erstellen, da man mit Frost rechnen musste. So schneite es auch am 22. November 1980 in die Maurerarbeiten hinein, die Baustelle musste winterfest gemacht werden.

Doch wer jetzt an Winterschlaf dachte, hatte sich verkalkuliert: erst im Süntelbad und bei stärkerer Kälte in der Garage der Familie Scharff Haddessen, wurden fast 7.000 Eisenstäbe auf Maß geschnitten und zu Bügeln gebogen. Das alles war nur möglich, weil 2 glückliche Umstände eingetreten waren.

  1. Nach Rückgabe der örtlichen Bauleitung durch Dieter Kutzner, Bensen, sprangen die Poliere M. Söffker und H. Quante aus Haddessen als Bauleiter ein. Vor allem war es Polier Helmut Quante aus Haddessen, der von diesem Zeitpunkt ab alle technischen Probleme anging, die Arbeiten auf der Baustelle beaufsichtigte und als Fachmann schnell allseits beliebt war. Ein geradezu freundschaftlich, kameradschaftliches Arbeitsklima baute sich auf.
  2. Die Familien aus Pötzen, Höfingen und vor allem Haddessen sorgten für das leibliche Wohl der Arbeitskräfte. Sonnabend für Sonnabend erfreute mansch saftige Stulle, Suppe und manch Köm und Bier die Helfer. Sogar Geburtstag wurde im Bad gefeiert. Mit einem Wort: die Moral war gut. /LI>
Dämpfer kamen, wenn statt der erwarteten 8 - 10 Teilnehmer nur 5 zum Arbeitseinsatz kamen. Da hieß es: Zähne zusammenbeißen, Optimismus und Einsatz zeigen und erneut Einwohner ansprechen. Einige Helfer kamen ständig, sogar während der Woche, andere alle 2 - 3 Wochen, mancher aber auch nur 1 - 2 mal. Plötzlich um die Jahreswende 80/81 zeigte die Presse lebhaftes Interesse für die Sanierungsarbeiten: für ein Planschbecken war ohne ausdrückliche Genehmigung der städtischen Bauverwaltung von Wilhelm Lindenberg und seinen Mannen eine Baugrube ausgehoben worden, kostenlos mit Maschinenhilfe.

Die Verwaltung verhängte Baustopp über den "Willi-Pool", die IGS Haddessen reagierte mit Verhandlungen und Übernahme sämtlicher Kosten des Planschbeckens aus dem Spendentopf der IGSH.

Neue Finanzquellen wurden durch eine Haussammlung zu Ostern 81 erschlossen: zur Erinnerung an die Spende gab es den legendären Süntelbadaufkleber, dafür erbrachten die Spenden eine Höhe von 5.341,70 DM. Frau Rinke konnte wieder die Rechnungen bezahlen: Rechnungen für Porto, Telefonate, Kopien, Rundschreiben, Getränke im Süntelbad und Material für das umstrittene Planschbecken.

So konnte nun das Planschbecken im Frühjahr 81 weitergebaut werden, auch das Haus für die Umwälzanlage wurde nach 460 Arbeitsstunden fertiggestellt: das Richtfest für das Gebäude am 11. April war eine von Vor- und Nachfeiern harmonisch umrahmte Verschnaufpause für alle Helfer und Spender. Ein Misston hatte sich eingeschlichen: die Stadtverwaltung und der Bürgermeister waren nicht eingeladen worden von der IGS. Das sollte sich nicht wiederholen.

Bereits seit dem 14. März 1981 hieß es, die neue Betonwanne in Angriff zu nehmen. Noch ahnte keiner (oder doch) den Arbeitsumfang, auf den sich die Helfer eingelassen hatten. Zu groß war das Vertrauen in Helmut Quante, als dass irgendjemand am Erfolg zweifelte. Es reicht auch nicht der Raum und die Zeit, in diesem Rückblick alle aufzeigen zu können. Über Monate hieß es jetzt:

Am 13. Juni 1981 waren alle 4 Deckenabschnitte gegossen und abgerieben, in der Zeit vom 4. Juli bis 17. Oktober 1981 wurden die 4 Wände in 4 Abschnitte gegossne. Die kostenlos zur Verfügung gestellte Wandschalung der Firma Tegtmeier, Großenwieden, erwies sich dabei als große Hilfe. Die Firma Meier, Weibeck, lieferte den Beton (für das Planschbecken als Spende), die Firma Zementol, Niederl. Rinteln, die Dichtungsmittel. Insgesamt mussten über 1800 Stunden für die neue Betonwanne aufgebracht werden, für das Planschbecken belief sich der Einsatz auf 265 Eigenleistungsstunden.

Ende Juni 1981 überzeugte sich der Verwaltungsausschuss des Stadtrates Hessisch Oldendorf vom Fortgang der Arbeiten. Die Ausschussangehörigen zeigten sich beeindruckt und zufrieden, die Presse gleichermaßen.

Am 31. Oktober 1981 war es dann so weit: Unterhalten von der Musikkapelle der Freiwilligen Feuerwehr Pötzen unter ihrem Leiter, Rolf Hoyer, fanden sich an die 100 Helfer, Gäste, Familienangehörige und Vertreter von Firmen, Vereinen und Rat und Verwaltung der Stadt Hessisch Oldendorf zum Richtfest ein. Bei herbstlich kühlem, aber aufklarendem Wetter sprach Bürgermeister Stock Worte des Dankes, Thomas Seifert, Pötzen, hielt den Richtspruch und alle 121 Helfer waren das Ziel der Dankesworte von Herm Henkel, der stellvertretend für alle Helmut Quante, Wilhelm Lindenberg und Jens Manentzos aus Höfingen für den Einsatz mit Bildgeschenken ehrte. Heinz Beissner überreichte seinerseits als Ortsbürgermeister Herm Henkel ein Buch als Anerkennung. Nach soviel offiziellem floss Bier und Korn reichlich, Dias von den Arbeitsabschnitten untermalten die Erinnerung.

Zusammenfassend gesehen waren bis zu diesem Zeitpunkt 3000 Stunden an Eigenleistung erbracht worden, 15 Firmen hatten z. T. unentgeltlich geholfen und beraten, viele Familien uns versorgt und andere Opfer in Form von Spenden und Materialgestellung erbracht.

Im November 1981 wurden die ersten Waschbetonplatten um das Schwimmbecken verlegt, Aufräumarbeiten durchgeführt und der Überlauf-Kontrollschacht fertiggebaut. Der strenge Winter 1981 und 1982 mit Temperaturen bis über - 20 Grad C und viel Schnee senkte auch das Süntelbad in einen tiefen Winterschlaf. Doch die Ruhe täuschte: auf der politischen Eben wurde der Kampf um Erhalt und Ausbau des Süntelbades fortgesetzt: es galt nicht nur, wiederholt Zeitungsberichte und Leserbriefe zu kommentieren, auch mussten alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um für den Haushalt 1982 die geplante Umwälzanlage beschaffen zu können. Doch bei 50% Mittelstreichung und abnehmbarer Konjunktur und erhöhter Arbeitslosigkeit fand sich keine Mehrheit im Rat, entsprechende Beschlüsse zu fassen. Es blieb bei kleinen Erfolgen: im März 1982 konnten im Schwimmbecken die Rohre für die Umwälzanlage verlegt werden.

Trotz aller Hemmnisse wurde das Ziel, die rechtzeitige Eröffnung des Süntelbades zur Saison 82, mit Kraft und Elan angegangen: sollte doch Ende Mai 82 das Schwimmbad nach 3 Jahren Pause wieder eröffnet werden.

Zu den Rest- und Abschlussarbeiten gehörten: Betonierung einer Aufkantung auf die im Schwimmbecken verlegten Rohre der Umwälzanlage, Betonierung von fehlenden Stufen in Schwimm- und Planschbecken, Bearbeiten der Grünanlagen, Anstrich auf Schwimmbecken, Planschbecken und Duschbecken aufbringen, Renovierung des Sanitär- und Umkleidegebäudes.

Letzte gärtnerische Arbeiten, Plattenverlegearbeiten und Aufräumarbeiten mussten in den letzten Tagen unter Hochdruck durchgeführt werden. Das Ziel stand aber fest: Wiedereröffnung des Süntelbades Haddessen. Eine Zeitspanne stärkster Anspannung für eine Handvoll Nimmermüder und starker Belastung und viel Engagement für viele Bewohner in den Sünteldörfern Höfingen, Haddessen und Pötzen geht damit zu Ende.

Das Freibad liegt den Bewohnern am Herzen. Sie empfinden es als Ihr Bad. Zum Nutzen aller.